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Geschichte der Stadt GammertingenZahlreiche Grabhügel in den Waldgebieten um Gammertingen beweisen, dass das Gebiet schon in der Bronzezeit besiedelt war. Vor rund 3000 Jahren befand sich an der Stelle von Gammertingen eine Siedlung, von der nicht nur Siedlungsreste, sondern auch ein Urnengräberfeld mit vielen Funden darunter ein "Fürstengrab", ausgegraben wurden. Im ersten Jahrhundert n. Chr. entstand in Gammertingen eine Römersiedlung, von der u. a. ein Badgebäude aufgedeckt wurde. Um die Mitte des 3. Jahrhunderts wurden die Römer von den Alemannen verdrängt. Schon 1902 war in Gammertingen ein großer Alemannenfriedhof mit zahlreichen bedeutenden Funden entdeckt worden, darunter ein Kettenhemd und ein vergoldeter Spangenhelm. Im Jahr 1101 wird Gammertingen erstmals in einer Urkunde des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen erwähnt. Damals saß in Gammertingen das Hochadelsgeschlecht der Grafen von Gammertingen, denen auch das Oberengadin mit Zuoz und Pontresina gehörte. 1963 wurde auf einem Felsen über dem Fehlatal die Burg Baldenstein, der Sitz der Grafen von Gammertingen ausgegraben. Etwa 20 Jahre später wurde in der Gammertinger St. Michaelskirche auch die Grablege der Grafen von Gammertingen gefunden. Nachfolger der Grafen von Gammertingen waren die Grafen von Veringen. Diese nützten die günstigste Lage an der Straße vom Burladinger Pass zur Donau um eine Stadt mit Mauern und Wassergraben zu gründen. An der Lauchertbrücke bauten sie ein Schloss. Die Bürger und Handwerker in der Stadt entwickelten einen gewissen Wohlstand, Selbstverwaltung und ihr eigenes Gericht. Auch Niederadelsgeschlechter aus der Umgebung zogen in die Stadt. Um 1350 bauten die Bürger eine neue gotische Kirche, von der noch der jetzige Kirchturm mit seinem Staffelgiebel stammt. 1524 wurde die Herrschaft Gammertingen von dem Uracher Obervogt Dietrich Speth von Zwiefalten erworben. Die Nachfolger Dietrichs versuchten, den Bürgern immer mehr Rechte zu nehmen und sie auf den Stand leibeigener Bauern zu drücken, was ständige Streitigkeiten und Prozesse zwischen Bürgern und Herrschaft hervorrief. Im Dreißigjährigen Krieg hatte die Stadt viel zu leiden. Ein großer Teil der Bürger starb an Hunger und Krankheiten. Die Herrschaft Gammertingen blieb eine selbständige Reichsritterherrschaft bis 1806. 1775 wurde in Gammertingen mit dem Bau eines neuen Schlosses nach Plänen des französischen Architekten D´Ixnard begonnen. In gleichen Jahr bekam die Stadt eine Thurn und Taxis`sche Poststation. Seit 1796 hatte die Stadt unter ständigen Truppendurchmärschen zu leiden. Die Franzosen plünderten, die Österreicher verlangten Kriegskontributionen. Im Jahr 1806 kam Gammertingen unter die Oberhoheit des Fürstentums Hohenzollern-Sigmaringen, das zum Rheinbund gehörte. Erst seit 1815 herrschte wieder Frieden. 1827 verkauften die Freiherren von Speth ihren ganzen Besitz an das Fürstenhaus Hohenzollern-Sigmaringen, von dem 1862 die Stadt das Speth`sche Schloss kaufte. Es wird seither als Rathaus genutzt. Das speth`sche Obervoigteiamt wurde fürstliches Oberamt. 1850 wurde es preußisches Oberamt. Gammertingen entwickelte sich in dieser Zeit zu einer kleinen Behördenstadt mit Oberamt, Amtsgericht, Forstamt und Katasteramt. Ab 1876 wurde in Gammertingen sogar eine eigene Zeitung, die "Lauchert-Zeitung", herausgegeben. Durch den Bau der Hohenzollerischen Landesbahn (seit 1901), deren Betriebsstätte in Gammertingen eingerichtet wurde, erhielt die Stadt wirtschaftlichen Auftrieb. Um diese Zeit begann auch eine bescheidene Industrialisierung. 1925 wurde das Oberamt Gammertingen aufgelöst und dem Oberamt Sigmaringen zugeschlagen. Als Ausgleich bekam Gammertingen das Kreisaltersheim, in dem sich wegen der schönen Lage auch über viele Jahre hinweg ein Kurbetrieb entwickelte. Auf Grund der verkehrsgünstigen Lage zwischen den beiden Wirtschaftsräumen Albstadt/Balingen und Reutlingen konnte Gammertingen in den dreißiger Jahren an der industriellen Entwicklung dieser Region teilnehmen. Hauptträger der Industrialisierung war bis zum Zweiten Weltkrieg vornehmlich die Textilbranche, die vielen Menschen aus der nach wie vor bestehenden Landwirtschaft weitere Arbeitsmöglichkeiten bot. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Industrialisierung in allen Teilbereichen stark zu. In dieser Weiterentwicklung des Gewerbes und mit der Aufgabe, eine Vielzahl von Heimatvertriebenen einzugliedern, spiegelt sich die starke Zunahme der Bevölkerungszahlen wider. So hat sich beispielsweise die Einwohnerzahl des Stadtteils Gammertingen von 1464 Personen im Jahre 1950 auf 5023 Personen (31.12.2003) erhöht. In Gammertingen hat sich nicht nur eine leistungsfähige und breitgefächerte Industrie- und Gewerbestruktur entwickelt, sondern darüber hinaus auch ein ausgeprägtes Handwerks- und Dienstleistungsgewerbe. In den vergangen 30 Jahren konnte Gammertingen als traditionell ländliche Kleinstadt ihre zentralörtliche Funktion für einen Verwaltungsraum mit über 13.000 Einwohnern permanent ausbauen. In Gammertingen können heute alle Einrichtungen einer Zentralgemeinde angeboten und auch auf Dauer gesichert werden. Gammertingen profitiert nicht nur von seiner guten Infrastruktur und der Wirtschaft, sondern auch von seiner reizvollen Lage im Laucherttal. Das Laucherttal mit seinen angrenzenden Albhochflächen ist ein beliebtes Naherholungsgebiet, welches aufgrund der ausgedehnten Wälder und dem gesunden Reizklima durchaus diese Bezeichnung auch verdient. |
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